Einmal Extremismus und zurück

Über 100 Schülerinnen und Schüler hörten zu, als der ehemalige Neonazi Axel Reitz am 5. Februar von seiner Radikalisierung und seinem Ausstieg aus der Szene berichtete.
Im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts präsentierte er sich am Heinrich-Hertz-Berufskollegs als überzeugende Stimme für die Demokratie.

Es begann in der Schule. Im Alter von 13 Jahren hatte Axel Reitz seinen ersten Kontakt zur rechten Szene. Er sollte die Parteien vorstellen, die für den Bundestag kandidieren, aber seine Lehrerin verbot ihm, dabei auch über rechte Parteien zu informieren. Das Interesse war geweckt. Was war so schlimm daran? Aus dieser Neugierde heraus gab es erste Begegnungen mit der NPD. Es folgte ein Prozess der Radikalisierung, in dessen Verlauf Axel Reitz zu einem der berüchtigtsten Rechtsextremen des Landes wurde. „Hitler von Köln“ nannte ihn die Presse.

Er demütigte und verletzte Menschen. Er verachtete den Staat, in dem er lebte, bis er erkannte, die Szene nicht ehrlich mit sich und anderen war. „Ich blickte herab auf eine Welt, die auf Hass, Intoleranz und Menschenfeindlichkeit basierte. Das war der Moment, an dem ich mich entschloss, nie wieder in dieses System zurückzukehren“, berichtet Reitz.

Es folgte der Ausstieg, ein langer und anstrengender Weg, auf dem er sich entschloss, anderen davon zu erzählen, was er erlebt hat, worauf er nicht stolz ist und welche Werte ihm heute wichtig sind. So ist die Begegnung mit ihm ein Statement gegen Fundamentalismus und Menschenfeindlichkeit, für die Menschenwürde und die Werte der Demokratie.

In Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts am Heinrich-Hertz-Berufskolleg in Bilk kam Axel Reitz mit 100 Auszubildenden im Elektrohandwerk und angehenden Chemielaborantinnen und Chemielaboranten ins Gespräch. „Prävention gegen Extremismus war schon immer ein Schwerpunkt unserer Arbeit“, erzählt Schulpfarrer Christian Schmandt. „In interreligiösen Lerngruppen diskutieren wir intensiv, wie das Zusammenleben in unserer Gesellschaft gelingen kann und was über alle Unterschiede hinweg Menschen miteinander verbindet.“ In Zusammenarbeit mit Andrew Schäfer, Landespfarrer für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland, wurde die Veranstaltung schon vor den momentanen Protesten organisiert.

Schmandt ist sicher: „Solche Veranstaltungen leisten einen Beitrag zur Demokratiebildung. Schule ist ein dafür wichtiger Ort und wir stehen als Kirche in der Pflicht, unseren Beitrag dazu zu leisten.“


Text: Christian Schmandt

Fotos: Sergej Lepke

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