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Auslandspraktikum in Schottland

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Meine Zeit auf den Äußeren Hebriden – Ein Praktikumsbericht

Schottland klang für mich immer so fern und ich war auch noch nie im Vereinigten Königreich gewesen. Doch dann bekam ich die Chance, ein 4-wöchiges Praktikum bei BASF in Callanish, im äußersten Norden Schottlands, zu machen, was mich sehr freute!

Früh morgens am Düsseldorfer Flughafen, bekam ich drei Tickets in die Hand gedrückt und der erste kulturelle Unterschied ließ nicht lange auf sich warten. In Deutschland wird man bei der Passkontrolle – erfahrungsgemäß- mit der finstersten Miene angestarrt und dazu aufgefordert, gefälligst seinen Pass vorzuzeigen. Im Birmingham, wo mein erster Umstieg war, wurde man erstmal herzlich mit einem „Good morning“ begrüßt und angelächelt. Die Freundlichkeit zog sich durch meine ganze Anreise. Als ich mit der kleinen Propellermaschine in Stornoway landete und zum Empfangsbereich schritt, sah ich meinen Namen auf einem Zettel stehen, gehalten von einer Dame namens Catriona. „Thats my name!“, sagte ich. Als wir zum Auto gingen, wollte ich rechts einsteigen, bis mir einfiel, dass hier Linksverkehr herrscht! Sie fuhr mich zum Bridge-Center, dort wo für 4 Wochen mein neues Zuhause sein sollte. Ich gewöhnte mich schon mal an den harten Akzent und freute mich sehr auf das Willkommensessen, was am nächsten Tag stattfinden sollte. Wir hatten Freitag und das erste was ich machte, als ich in meinem Zimmer war: Schlafen!
Am nächsten Tag erkundete ich Stornoway. In einem sehr bescheidenen, aber guten Café im Bridge Center, habe ich mir ein original Britisches Frühstück gegönnt, mit Schottischen „Black Pudding“.
Auf dem Bild zu erkennen als schwarze Scheibe. Und nein – Black Pudding ist kein schwarzer Schokoladenpudding sondern eine Fleischspeise aus gebackenen Schweineblut. Das hat meinen Geschmack nicht so ganz getroffen.
Die Natur in Stornoway ist wirklich schön. Es gibt, direkt neben dem Bridge-Center, ein Schloss und einen großen Wald – Die Lewis-Castle-Grounds. Das erste was mir auffiel, waren die vielen Hasen, die sich überall auf den Wiesen tummelten. Es wachsen dort auch viele violette und pinke Pflanzen, die Fingerhüte (eng. Foxglove). Möwen haben mich die ganzen 4 Wochen begleitet, bis ich sie nicht mehr hören konnte. Das Meer mit seinem Seegras, Seerobben, Lachsen und Aalen war ein ständiger Begleiter.
Am Abend dann lernte ich Karen kennen. Sie hat unter anderem dafür gesorgt, dass ich nach Schottland kommen konnte und ist die Managerin des Labors. Zusammen fuhren wir zum Restaurant, wo ich alle meine Arbeitskolleg*Innen kennenlernte. Ziemlich schnell begriff ich, dass ein großer Zusammenhalt herrscht und sich alle sehr gut miteinander verstehen, egal wie alt man ist. Das ganze Essen wurde mir bezahlt und danach bin ich mit den jüngeren Leuten in ein Pub gegangen. Lustiger weise wurde an dem Abend jemand aus der Firma verabschiedet, weshalb ich gefühlt alle Leute von BASF kennengelernt habe. Ich habe mein Glas mit Apfelbier halb ausgetrunken, bis wir weiter gezogen sind ins nächste Pub gegenüber. Zur Krönung sind wir ein drittes Mal umgezogen und im „Fishing-Club“ tanzen gegangen. Schöner hätte meine Ankunft nicht sein können, ich schlief auch gut in der Nacht.
Am Montag dann ging es los! Linda hat mich um 8 Uhr abgeholt und zusammen fuhren wir die Strecke zur Firma. Die dauert eine halbe Stunde und man sieht nichts als Hügel, kleine Seen (sogenannte Lochs), Schafe, Schilder mit Rehen drauf und zum Schluss den Steinkreis von Callanish. Man ist absolut auf ein Auto angewiesen. Die Firma liegt genau am Meer und man erkennt sie an der schönen Architektur und der roten Farbe.
Ich erkannte viele Gesichter wieder und nach einer Firmenbesichtigung und Belehrung zur Arbeitsweise und Sicherheit durfte ich mit helfen. Zumindest durfte ich erst einmal bei bestimmten Aufgaben zugucken, diese dann unter Aufsicht nachmachen, dann erneut alleine nachmachen und erst dann die Aufgabe selbstständig durchführen. Die Firma stellt Fischöl her, welches hohe Konzentrationen an Omega-3-Fettsäuren aufweist. In meinem Labor, der Qualitätskontrolle, ging es darum, zu schauen, ob auch wirklich diese Menge an Omega-3-Fettsäuren vorhanden ist oder nicht. Andere Aufgaben waren die Ermittlung der Feuchtigkeit eines Öls, die Ermittlung der Peroxid-Zahl, welche aussagt, ob ein Öl noch frisch ist oder nicht und die Bedienung und Pflege von Gaschromatografen.
Die gelben Schläuche, zu sehen im Foto, waren dafür da, um zu verhindern, dass man Dämpfe von Lösemitteln einatmet. Sie funktionieren wie kleine Anzugshauben.
Die Arbeit hat mir sehr Spaß gemacht, vor allem, weil mir alles gut erklärt wurde. Wenn man Fragen hatte, konnte man sich an jeden wenden, der gerade da war. „Lieber einmal mehr Fragen, als etwas falsch zu machen“. Ehrlichkeit ist sehr wichtig, denn wenn man einen Fehler macht, sollte man auch dazu stehen, anstatt die Leute mit falschen Ergebnissen zu verwirren. Anstrengend war es, alles genauestens zu dokumentieren. Für jede Methode gab es ein Heft, in welches man einträgt, was man gemacht hat. Waagezettel werden dort von Hand eingeklebt und Werte dokumentiert. Diese werden dazu noch einmal von jemand anderen „gecheckt“ und gefühlte 10 Mal signiert. Selbst wenn man einen Rechtschreibfehler macht, muss dies gekennzeichnet und unten angegeben werden. Es ist aber notwendig, da man so genau zurückverfolgen kann, wer was gemacht hat. Außerdem kann das Labor unangekündigt kontrolliert werden, da wird dann genau auf sowas geachtet.
Meine Arbeitskollegin Eillidh („ili“ ausgesprochen) hat mich unter ihre Fittiche genommen. Wir sind am Wochenende oft zusammen raus gegangen und sie hat mir das Nachtleben von Stornoway gezeigt. Nicht nur Eilidh habe ich zu verdanken, das Leben in Stornoway besser kennengelernt zu haben, sondern auch meinen beiden Zimmernachbarn Reese und Piran. Ich habe mit ihnen eine Küche geteilt. Piran hat ebenfalls ein Praktikum in Stornoway gemacht und mitgeholfen, die Flüsse zu reinigen. Er ist begeisterter Fischer und zeigte mir den Fluss in den Lewis-Castle-Grounds und erklärte, dass bald die Lachse kommen werden. Diese stehen unter strengen Naturschutz und kommen im Sommer die Flüsse hochgesprungen um dort zu laichen, wo sie geboren wurden: In den Laichgründen oberhalb des Flusses. Auf Grund des guten Geschmacks und der Seltenheit werden sie von Wilderern gejagt, auch in Stornoway. Piran hatte auch ein gutes Auge dafür, wenn eine Robbe im Meer schwamm. Einmal sahen wir sogar einen Lachs im Fluss springen.

Piran und Reese auf einer Bank beim Spazierengehen.

Reese erzählte uns beiden schmutzige Geschichten über sie Castle-Grounds, wenn wir spazieren waren. Denn besonders am Wochenende wirken die dunklen Wälder wie ein magischer Anziehungspunkt für Jugendliche. Sie zeige auf Orte, an denen viele Alkoholbetäubte gerne Spaß haben und meinte, den Leuten hier ist langweilig. Eines Tages ließ ich mich davon selbst überzeugen, nämlich als ich freitags abends vom Einkaufen zurückkam. Ich hörte viele brummende Motorgeräusche. Autos, mehr als sonst, fuhren an mir vorbei. Innen drin junge Gesichter, die mich kurz musterten und dann mit durchgedrücktem Gaspedal weiterfuhren. Ich dachte ich bin im falschen Film und es findet ein Tuningtreff statt. Aber nein, das Phänomen nennt sich „Spinning“. Besonders am Wochenende kommen alle jungen Leute mit ihren Autos nach Stornoway. Die Jungs versuchen durch die besonders lauten Motoren und coolen Autos auf sich aufmerksam zu machen, damit schöne Mädchen bei ihnen einsteigen. Allerdings lassen sie nur Leute mitfahren, die sie auch wirklich kennen. Und dann fährt man, ziellos, durch die Stadt. Ich war sehr erstaunt, als mich Eilidh darüber aufklärte.
Ich lernte auch Eilidhs Familie kennen. Sie stammt aus einer gälischen Familie. Gälisch ist eine sehr alte und vom Aussterben bedrohte Sprache, welche nur noch in Teilen Schottlands gesprochen wird, besonders auf den Äußeren Hebriden. Man merkt es deshalb, weil viele Straßenschilder nicht nur in Englisch, sondern auch in Gälisch geschrieben sind. Ein Wort konnte ich mir merken: „Fàilte” heißt Willkommen und hört sich an, wie im Deutschen die „Falte“. Es gibt tatsächlich einige Schulen in der Umgebung, die Gälisch unterrichten.
Einmal war ich zusammen mit ihr Fischen, in einer wunderschönen Bucht, welche man vom Haus aus sieht. Ich musste einfach eine bleibeschwerte Angel ins Wasser halten, bis zum Grund laufen lassen und wieder ein Stück hochziehen. An ihr hingen Haken mit Fischen aus Gummi. Ich hab es geschafft, zwei Makrelen zu fangen! Überall Im Meer befanden sich Quallen, welche mal kurze und mal unendlich lange Tentakel hatten. Manche haben sogar regenbogenfarbig geleuchtet. Meine Makrele habe ich am selben Tag noch gegessen, da wir alle zusammen gegrillt haben!


Ich und Eilidhs Vater zeigen unsere Ausbeute.

Nicht nur das Fischen wurde mir gezeigt, auch der traditionelle Torf wurde mir näher gebracht. Da Holz schon immer Mangelware auf den Inseln war, hat man den Torf, welcher zu großen Mengen in der Erde zu finden ist, genutzt um die Häuser im Winter zu heizen. Er wird in den warmen Zeiten in kleinere Teile gestochen und in der Luft getrocknet. Wenn der Torf genügend trocken ist, kann man ihn einsammeln. Dabei durfte ich mithelfen. Ich setzte mich in die Traktorladefläche und wir fuhren gemeinsam auf ein großes Feld, wo der Torf schon auf uns wartete. Das Einsammeln ging recht flott, der Traktor musste sogar zwei Mal kommen. Wenn man den Torf dann im Winter verbrennt, verbreitet er sein typisches süßes Aroma.
Nach dem Einsammeln bin ich erstmal Duschen gegangen und selbst aus meinen Ohren kamen winzige kleine Torfkrümmel heraus
Nach drei Wochen Schottland habe ich mich schon ein wenig eingelebt. Morgens um 8 Uhr abgeholt werden, um 16 Uhr nach Hause oder erst mal zum Supermarkt. Dann kochen. Die Aufgaben bei der Arbeit konnte ich immer besser und selbstständiger erfüllen, schade, dass ich in der nächsten Woche schon abreisen musste.
Zwischendurch war ich auch noch mit meinen Arbeitskollegen zusammen essen, wo ich „Haggis“ probierte. Da ist alles drin, was beim Schaf übrig bleibt, wenn man es schlachtet. Herz, Leber, Lunge. Schmeckt aber ganz gut! Manchmal wird zum Essen auch Tischwasser aus dem Hahn serviert. Wenn man es trinkt, glaubt man, man wird von innen desinfiziert, weil der Chlorgehalt schmeckbar hoch ist! Trinke niemals zu viel davon, deutsches Leitungswasser ist Luxus!
Meine Eltern haben mich am letzten Wochenende mit dem Wohnmobil abgeholt und zusammen haben wir uns den Steinkreis von Callanish angeschaut, dort, wo ich jeden Tag dran vorbei gefahren bin.

Ich vermisse meine Zeit in Schottland und bin sehr froh, dort gewesen zu sein. Eine wirklich herzliche Kultur habe ich dort kennengelernt und das eine und andere Geheimnis gelüftet. Ich hoffe auch ich konnte ihnen, liebe Leser*innen einen Einblick in das Leben in Stornoway geben. Ich muss gestehen, dass ich dort nicht leben könnte, da es einfach zu wenig Action gibt. Doch für Familien mit Kindern, die Sicherheit und Ruhe haben möchten, ist dies ein toller Ort. Und für die 4 Wochen, die ich dort verbrachte war es das echt wert! Ich habe tolle Menschen kennengelernt und durch ihnen die Kultur Schottlands!

Ein großer Dank an meinen Englischlehrer Herr Kretschmer, der diese Reise überhaupt möglich machte und mir bei den Flügen, der finanziellen Förderung und den ganzen Papierkram eine große Hilfe war! Vielen Dank!

Text & Fotos: Mirko Allermann


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